Gedanken

Eine Geschichte für Kinder – und für Mamas

Picknick in der Badewanne – Ein Babylied für Mama

Silas konnte nicht einschlafen. Die ganze Zeit musste er an den Streit beim Abendessen denken, den er mit Julia gehabt hatte. Die Mama war ja so gemein. Sie war gar nicht dabei gewesen und hatte sich trotzdem gleich auf Julias Seite gestellt. In seinem Zorn hatte er gegen den Stuhl getreten. Er konnte doch nicht ahnen, dass er damit die Palme am Boden umwerfen würde. Und was konnte er dafür, dass der Übertopf so zerbrechlich war! Mama hatte jedenfalls so schlimm mit ihm geschimpft wie noch nie. Silas war in sein Zimmer gerannt. Er hatte den Schlafanzug angezogen, das Licht ausgemacht und sich unter der Decke verkrochen. Als Mama später hereingekommen war, hatte er sich nicht gerührt, und so war sie wieder gegangen. Er hatte gehört, wie Julia und Lena ins Bad gegangen waren und sich die Zähne geputzt hatten. Aber er hatte sich nicht gerührt. Er hatte gehört, wie Papa nach Hause gekommen war. Aber er hatte sich noch immer nicht gerührt. Und so lag er immer noch in seinem Bett und wünschte sich weit, weit weg in eine andere Welt.

Aber dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Er blieb in seinem Bett. Er konnte nicht einschlafen und – er musste aufs Klo, ziemlich dringend sogar. Vorsichtig stand er auf und lauschte. Er hörte niemanden. Ganz leise öffnete er die Tür und schlich sich ins Bad. Auf dem Klo saß Julia. „Beeil dich“, flüsterte er knurrig. „Bin schon fertig“, antwortete Julia leise und machte Platz. „Mama war ganz traurig“, sagte sie und etwas verschämt fügte sie hinzu: „Ich war schuld an unserem Streit.“ „Ich wollte doch nicht, dass die Palme kaputtgeht“, sagte Silas. „Lass uns zu Mama gehen,“ schlug Julia vor und nahm Silas an der Hand. „Ich trau mich nicht“, sagte Silas. „Bestimmt ist sie immer noch sauer. Ich glaube, sie hat mich nicht mehr lieb.“ „So ein Quatsch!“, empörte sich Julia laut. Mama hatte diesen Satz bis hinunter in die Küche gehört und kam die Treppe nach oben. „Streitet ihr schon wieder?“, seufzte sie. „Nein, wir wollen uns versöhnen. Ich war schuld an dem Streit, und Silas glaubt nicht, dass du ihn noch lieb hast!“, erklärte Julia. Silas wurde rot. Es war ihm peinlich, dass Julia das so direkt sagte. Mit einem Satz kam Mama ganz dicht an sie heran und schloss die Kinder in die Arme. Sie drückte beide und sagte erst einmal gar nichts. Silas wurde es ganz warm. Mama hatte ihn doch noch lieb! Das konnte er spüren. Alles war wieder in Ordnung. Da spürte er einen Tropfen auf seinem Gesicht. In der Wohnung konnte es doch nicht regnen! der Tropfen kam von Mama. Sie weinte!

„Mama, warum weinst du?“, fragte Silas besorgt und auch Julia schaute ihre Mama unsicher an. „Es tut mir so leid, dass ich dich angeschrien habe. und jetzt weiß ich auch noch, dass es zu Unrecht war. Weißt du, heute war son ein anstrengender Tag für mich. Ich war genervt und du hast es abgekriegt. Ich bin traurig über mich und wäre gerne eine bessere Mama für euch“, seufzte Mama. „Aber du bist doch eine tolle Mama“, sagte Silas. „Du sagst doch zu uns auch immer, dass wir toll sind und du uns lieb hast, auch wenn wir mal was Blödes machen“, ergänzte Julia. „Tja, manche Dinge weiß man halt für andere besser als für sich selbst“, lächelte Mama und wischte sich eine Träne von der Wange. „Weißt du was? Dann singen wir dir jetzt unser Babylied, damit du es wieder ganz fest weißt“, grinste Silas und zusammen mit Julia sang er: „Mama, Mama, Gott hat dich lieb. Mama, Mama, Gott hat dich lieb. Ganz egal, was du tust, und egal, wie du dich fühlst: Gott hat dich lieb. Gott hat dich lieb, so lieb.“ Da tropfte schon wieder eine Träne von Mama auf Silas Gesicht. Aber diesmal lächelte sie dabei: „Ach, ihr Schätze, was bin ich froh, dass ich euch habe!“ „Und ich bin froh, dass ich dich hab“, sagte Silas und drückte seine Mama ganz fest. „Und ich bin froh, dass wir uns immer wieder versöhnen können, wenn wir Streit hatten“, sagte Julia. „Und ich würde sagen, wir schleichen uns jetzt ins Wohnzimmer, damit Lena nicht aufwacht, und dir könnten wir doch glatt noch ein Versöhnungseis essen“, sagte Papa, der unbemerkt dazugekommen war. „Ich will mich auch versöhnen und Eis essen“, erklang da Lenas Stimme hinter Papa. Und das machten sie dann alle zusammen.

Zum nachdenken:
Wir sind alle nicht perfekt, machen manchmal Fehler und tun Dinge, die andere verletzten oder traurig machen. Das geht allen so – Kindern und Eltern, in allen Familien der Welt. Das ist die eine, schwierige Seite des Zusammenlebens. Die anderen, gute Seite ist: Wir sind trotzdem immer von Gott geliebt und dürfen als Familie immer wieder neu anfangen. Manchmal gelingt uns das gut, und manchmal ist es auch schwierig, den Weg zueinander zu finden.
Wo ist uns Versöhnung schon mal so richtig gut gelungen? Wo haben wir es gespürt, dass wir trotz unserer Fehler in der Familie angenommen und geliebt sind?

Mit freundlicher Erlaubnis von Gerth Medien.
Entnommen aus dem Buch „Picknick in der Badewanne“ von Elisabeth Vollmer

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